DS-Treffen am Hofe Schneider zu Geislingen
oder: geheime französisch-deutsche Beziehungen

Der 2. September 2001 ist bei uns Schneiderianern noch in allerbester Erinnerung. Mensch und Auto fanden sich seinerzeit zu einem so recht griebigen Stelldichein zusammen und - das Wetter spielte auch mit.

Wer 2002 sagt und das Wetter meint, der kann nichts Gutes meinen. Und so zeigte denn der 1. September 2002, daß er ganz aus dem Stoff war, aus dem die Wetteralbträume gemacht sind. Die Hoffnung nach reichlich 300 Kilometern den frisch gewienderten DS 20 makellos glänzend zur Parade bei Hofe in Geislingen eingliedern zu können, zerfloß in einem regengeschwängerten Grau, wie es fürchterlicher als an einem Sonntagmorgen um halb sechs nicht sein kann. Alles hab aber auch seine netten, vielleicht sogar guten Seiten. Und so schien dem Verfasser das gelbe Licht eines Franzosen doch recht hübsch zur Tristesse dieses deutschen Sonntagmorgens zu passen. Außerdem erwies sich das Auto als dicht und lieferte ganz nebenbei den Nachweis, daß man mit ihm erstauntlich zügig und sicher die 180 Kilometer zwischen Aitrach und Geislingen bewältigen kann. Die Erwartung, daß sich sonntags in der Früh bei Regen im Bereich der schwäbischen Alb die Verkehrsbewegungen nicht allzu dramatisch ausnehmen dürften, erwies sich denn auch als realistisch, und so stand nach Ankunft in Geislingen ein Durchschnitt zu Buche, der sich für den Eintrag in Polizeiakten weniger eignete.

Ein erster nachhaltiger Eindruck in Geislingen war der, daß der Hausherr und Gastgeber nicht zu sehen war. Er war nicht zu sehen, weil er sich gebückt hatte. Er hatte sich gebückt, weil er mit manch anderen noch kräftig Hand anlegte un alle Sitz- und Tischmöbel in eine korrekte Ordnung zu bringen. Und da war er wieder, dieser Geist vom 2. September 20001, auffällige Präsenz durch Zurückhaltung im Auftreten. Da mochte einem die feuchte Kälte wegen desVerzichts auf Winterkleidung noch so grimmig in die Glieder kriechen, eines war sofort erneut klar. Hier bist Du richtig.

Na, kann los zur Stadtrallye. Man kommt aus Unterammergau und muß dann die Zahl der Fenster herausfinden, die in die Geislinger Friedhofskapelle eingelassen sind. Außerdem war allgemeines Schätzvermögen gefragt, welches seine Sicherheit sowohl in der vermuteten Zahl der Geislinger Gasthäuser als auch in der richtig bestimmten Höhe des Turms der Geislinger Stadtkirche unter Beweis zu stellen hatte.
Und dann kam es zu der Begebenheit, die den Verfasser bestimmt, das diesjährige Treffen etwa betonter aus persönlicher Sicht zu schildern. Fahrer und Auto kamen an den Punkt, von dem es im Aufgabenblatt zu Stadtrallye 2002 hieß: Auf der Höhe angekommen ist rechts und links ein wenig Wald. Plötzlich ist der Wald zu Ende, auf einem geteerten Weg gehts rechts entlang. Von der Straße aus sieht man von weitem eine Schaukel, dort befindet sich unsere nächste Aufgabe. Früher noch, zu Römers Zeiten stand einst ein Kastell an diesem Ort. Doch von diesem steht nur noch ein Teil unter einem Blätterdach. Wann wurden Bruchstücke einer Kaiserinschrift ausgegraben?

Was Wetter war, wie schon ausgeführt, nicht gut. Regentropfen auf dem Brillenglas, feuchte Windstöße verkleben sich mit der frisch gewaschenen Frisur, nach fünf Schritten sind die Schuhe bedenklich naß, und man hat das Gefühl, als Ein-Mann-Team sowieso nicht die besten Chancen in diesem Wettbewerb zu haben. Zwar hat man beruflich durchaus mit den Römern zu tun, aber 10 Grad Celsius lassen einem das entsprechende Interesse doch etwas gefrieren. Egal, sei`s drum, die geforderte Jahreszahl wird dingfest gemacht, man marschiert zurück zum Auto - und hört auf halber Strecke gerade noch, wie der laufende Motor (Gnade Herr Trittin) erstirbt. Selbstverständlich bleiben sämtliche Startversuche erfolglos, sonst handelte es sich schließlich nicht um eine Begebenheit. Man denkt sich: Es ist doch reichlich einsam hier, aber heute, möchte ich fast wetten, kommt noch ein DS mit netten Leuten und nimmt dich mit. War es auch so? Natürlich war es so. wozu sonst veranstaltet man eine Stadtrallye?

Ein Ludwigsburger DS21 kommt des Wegs, darinnen Uli und Sara auf der Suche nach der Jahreszahl. Schnell ist die Situation klar, noch schneller hat Sara mit ihrer Freundlichkeit alles im Griff. Fahren Sie doch bei uns mit, dann machen wir die Rallye eben zu dritt. Und wenn wir etwas gewinnen, dann teilen wir uns das. Um das Auto kümmert sich später bestimmt jemand. Der Gestrandete kann sich glücklicherweise sofort mit der schon eruierten Jahreszahl revanchieren und auf gehts zu dritt. Ich bin der Uli, und das ist Sara. Der Verfasser geizt nicht mit entsprechenden Informationen und so sind denn Sara, Uli und Benno gemeinsam auf der Suche nach den Geheimissen der Fakten und Daten aus Geislingens Gegenwart und Vergangenheit. Mit Erfolg, wie sich gegen 17,,45 Uhr dieses Tages herausstellt, denn Frau Ginter verkündet den Sieg just dieses Teams. Wie groß der Anteil des erstorbenen Motors von GAP-NX 99 an diesem Sieg ist, ist etwas geheimnisumweht, aber weils so schön zu denken ist, sagen wir einfach mal: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Schließlich wurde ja auch schon diese sonntägliche Düsternis durch das gelbe DS-Licht geadelt.

Und was ist nun mit dem schweigenden Motor dort droben an Schaukel und Römerkastellt? Stefan Schneider pilotiert seinen 280.000-km-DS zum ort der motorischen Unpäßlichkeit, muß aber feststellen, daß mit sonntags zur Verfügung stehenden Mitteln nichts auszurichten ist. Mit staunen machender Sicherheit verkündet er in aller Ruhe." Den lassen wir über Nacht hier stehen, morgen wird er geholt und dann wird er wieder laufen." Man wagt es ja kaum noch für möglich zu halten: Soll es tatsächlich in Deutschland einen Ort geben, an dem man völlig ohne Kontrolle über Nacht einen DS stehen lassen und am Tag danach im Zustand vom Tage zuvor wieder antreffen kann - vorausgesetzt, daß er überhaupt noch da ist? Lieber Leser, man kann! Man kann sogar auf einen Stefan Schneider treffen, der einem als Ersatzwagen eine vorzüglich laufenden Vier-Gang-D-Spezial in die Hand gibt, um die Mobilität des vorübergehend unmotorisierten DS-Enthusiasten zu sichern. Herzlichen Dank!

Überhaupt: Enthusiasmun, Dieser Enthusiasmus, der uns alljährlich nach Geislingen führt, ist der Enthusiasmuns für ein technisches Produkt, dem man auch 47 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch in außergewöhnlicher Weise ansieht, wie unkonventioneller Geist und frei waltende Emotionen an seinem Zustandekommen beteiligt waren. Natürlich gab es auch in Geislingen wieder den notwendigen Erfahrungsaustausch, der die rein technische Seite unserer Autos betrifft, zumal sie ohne Pflege und Erhalt in erwähnenswertem Maße gar nicht möglich sind. Es ist aber auch interessant, häufig sogar regelrecht spannend, zu erfahren, wie die Menschen überhaupt zu den D-Modellen von Citroen gefunden haben. Das diesjährige Treffen brachte dabei in Gesprächen des höchst bemerkenswerten Umstand ans Licht, daß einer der Wege zu unseren Autos offensichtlich über Opel führt. Hobby- oder auch Profipsychologen mögen jetzt anfangen zu deuten, hier nur ein paar Fakten: Herr und Frau Christ aus Neu-Ulm z.B., man heiratete 1964 und nutzte, nachdem Herr Christ seinen etwas angejahrten Ford Taununs veräußert hatte, Frau Christs neuen Opel Rekord für die Hochzeitsreise nach Italien. Dort lief man immer wieder an ein D-Modell, welches während der Zeit ihres Aufenthalts immer an ein und demselben Ort stand. Alsbald war es um die Jungvermählten geschehen, dem Opel wurde nach angemessener Zeit der Abschied gegeben und nun arbeitete an der Hinterachse keine Blattfeder mehr, sondern feinste Hydraulik. Heute befindet sich neben einem C5 in Christlichen Händen noch zwei Enten und ein DS 20, dem Herr Christ (wie auch den Enten) durch unnachgiebige Pflege kaum den Hauch einer Chance zum altern gibt.

Oder Herr Steidl, der mit seinem Bruder in Rüsselsheim! wunderschöne D-Cabrios baut, von denen er eines in Geislingen dabei hatte. Rüsselsheim? Richtig, die Herren arbeiten seit Jahren in der Vorausentwicklung bei Opel, setzen ihr Herzblut aber für die Nachentwicklung von D-Cabrios ein. Oder schließlich Andreas Tröster. Er hat seine Sporen bei Obel verdient, arbeitet heute bei einer sog. Premiummarkte deutscher Herkungt, läßt sich aber durch nicht davon abbringen,den Autos von Citroen in seinem Herzen das Kämmerchen mit den liebevollsten Gefühlen vorzubehalten. Mit ihnen alt werden, das ist sein Wahlspruch.
Und dann noch dieser kleine Nachtrag, der einen eigenen Absatz verdient: Sara fährt als Alltagsvehikel einen 20 Jahre alten Opel Kadett.

Immer noch nicht von der Mystik dieser französisch-deutschen automobilen Wahlverwandtschaft überzeugt? Dann hilft wahrscheinlich auch nicht mehr der Hinweis auf das grau-gelbe Farbenspiel, das sich bot, als sich der Unterammergauer DS mit seinen gelben Scheinwerfern durch das nasse bayerisch-schwäbische Sonntagmorgengrau bohrte. Graugelb? Ja doch! Na, wie sind denn die Firmenfarben von Opel? Opel und Citroen, hm. Opel und Citroen? Ja, Opel und Citroen. Wir hatten das doch gerade'! Ich kann nicht von Opel herkommen und dann Ford-Fan sein. Ich kann als gebürtiger Italiener nicht Spanien-Liebhaber sein. Ich kann auch nicht von scheußlichem Regenwetter begeistert sein, nur weil Sonntag, nicht aber Samstag ist.

Ein solcher Regensonntag kann aber durch gelbes Licht etwas Reizvolles gewinnen, ein abgestorbener Motor kann durch Sara und Uli zum Sieg bei der Stadtrallye und überdies zu einigen freundlichen menschlichen Regungen verhelfen, und überhaupt ist es so: Ohne daß krasse Unterschiede aufeinander treffen, ist z.B. wahrer Enthusiasmus nicht möglich. Und so sind eben auch Opel und Citroen, wenn auch vertrackt, tiefrgründig miteinander verbandelt. Lassen wirs halt so stehen. Das einzig Wahre gibts ohnehin nicht.

Jemand fehlte übrigens, jemand, der- und das hatten wir auch schon - durch seine Abwesenheit besonders präsent war. Man munkelte, er habe seine Zusage gegeben, man hörte aber auch von Unabkömmlichkeiten, kurz und gut Hans-Uwe Fischer, Dein Volk braucht Dich! Wer soll uns sonst erklären, wie man einen Schraubenschlüssel richtig ansetzt, wie man den korrekten Durchfluss von Benzin auf jeden erdenklichen Fall gewährleistet, was beim Umgang mit Kühlerdeckeln alles zu berücksichtigen ist. Hier wird nicht gespottet, sondern ernsthaft bedauert, daß Du nicht da warst. Also, nächstes Jahr wird fest mit Deiner Anwesenheit gerechnet, und wenn`s nicht anders geht, dann komm halt mit dem Flugzeug - wirst dann auch akzeptiert. (Lege persönlich höchsten Wert auf Dein Outfit vom 2. 9.01!)

Und nun Ehr, wem Ehre gebührt: Liebe Frau Teichmann, lieber Herr Teichmann - wäs wäre alles gewesen ohne sie! Es war schon wie am 2. September 2001, das heißt: beispielhaft. Man möchte eigentlich das gesamte Dienstleistungspersonal unseres Landes zu Ihnen in die Lehre schicken, vielleicht kapiert dann mal jemand, was Service heißt und was Freundlichkeit ist, und das bei gleichbleibend hoher Effektivität der Leistung. Daß es gut geschmeckt hat, versteht sich da schon fast von selbst. Reichen Sie bitte dieses Lob an die weiter, durch die sie seitens der Leichtathleten des Geislinger Sportvereins tatkräftig unterstützt wurden!
Und jetzt will man vielleich noch wiessen, warum GAP-NX 99 plötzlich nicht mehr wollte? Stefan Schneider weiß es, der Verfasser weiß es, und Sara und Uli wissen es auch. Es hat mit Benzin zu tun. Mehr wird hier nicht verraten. Die Sache ist so kurios (und für das Auto überhaupt nicht ehrenrührig, auch nicht für den Fahrer), daß hier an dieser Stelle der Vorschlag gemacht wird, im nächsten Jahr als Rahmenprogramm vielleicht so eine Art heiteres Defekteraten anzusetzen. 1. Preis: einwöchiges Praxisseminar in Stefan Schneiders Werkstatt.

Überhaupt: Die Behebung der geheimnisvollen Unpässlichkeit wurde in Stefan Schneiders Zauberküche umgehend und höchst kulant vorgenommen. Auch dafür herlichen Dank!
Erwähnt werden muß auch, daß das Startgeld für die Stadtrallye als Spende für die Opfer der Hochwasserkatastrophe von Mitte August verwendet werden soll. Es muß nicht mehr ausgeführt werden, wie wichtig in dieser Angelegenheit jeder Euro ist. Umso bedauerlicher ist, daß längst nicht jeder, der sein Kommen zugesagt hatte, auch gekommen ist und deswegen die Spendeneinnahmen geringer ausfielen als leich möglich gewesen wäre. Außerdem sollte man die Mühe, die sich die Organisatoren mit der Ausrichtung der Veranstaltung gemacht haben, gerade auch bei schlechtem Wetter mit zahlreicher Anwesenheit honorieren! Wir sind doch nicht nur eine Schönwettergemeinde, oder? Da lobt man sich die Besatzung des Autos, das aus Jena gekommen ist. Ihr Badener und Württemberger, paßt nur auf, eines Tages erscheint ein Auto aus Flensburg dann seid ihr längst Freunde im eigenen Land. Pfüat eich!

Benno Weiß

Presseartikel über das 1. Geislinger DS Treffen.