9.DS-Treffen in Geislingen 2008

 

        

 

 

 

 

8.DS-Treffen in Geislingen

Das Wetter und die Laune hat mitgemacht beim 8. Geislinger Oldtimer-Treffen     Foto: Ivo Riemann

 

Variation zum Thema: Sachter Wandel

25.Juni 06, nach dem launigen Simmersfeld-Intermezzo im letzten Jahr nun wieder eine Hydraulikfete in Geislingen. Am Tag zuvor hat Deutschland bei der WM Schweden geschlagen. Aber Weltmeister sind wir dann doch nicht geworden, Frankreich übrigens auch nicht, und Materazzi ist nicht Mahatma Gandhi, und Zinédine Zidane ist nicht Jesus. Dafür sind wir Papst, Du, Leser, bist Deutschland, und Schneider ist DS. Originellere Köpfe, als der Chronist einen hat, haben diese Formel allerdings längst abgewandelt zu: DS = Der Schneider, und da, wie die alten Griechen sagen, ohnehin alles im Fluss ist, ist diese Abwandlung auch erlaubt.

Überhaupt sind in Geislingen gewisse Entwicklungen feststellbar - was Wunder, wenn DS seine Programmatik geändert hat und sich nun auch anderer französischer Automobile   verstärkt annimmt. Peugeot-Freunde sollten sich vielleicht mal die Geislinger Adresse notieren. Es konnte nämlich in jüngerer Vergangenheit durchaus vorkommen, dass es unter 07433-8508 hieß: „Nei, der isch grad net da, der holet en 404 aus Nürnberg.“ Und dann durfte man ja auch seit längerem schon vermuten, dass bei DS neben der offen zu Tage liegenden Passion für Citroens D-Modelle noch eine weitere heimlich schwelt. Da stand nämlich immer wieder mal ein SM, in der Regel schon arg geschunden, der dann aber auch alsbald wieder verschwand. Jetzt steht wieder ein SM da, schöner Zustand, und ein weiterer ist noch dazugekommen. Der muss aber erst noch zusammengebaut werden. Für den Chronisten ist ein SM ein gefundenes Fressen, denn ein SM verspricht immer gute Geschichten wie z.B. diese hier:

Zwei wackere Schwaben erscheinen mit ihrem Abschleppwagen im Land, wo die Zitronen blühen. Einer von ihnen ist DS, auf den anderen kommen wir noch. Die blühenden Zitronen reizen die beiden jedoch nicht, vielmehr die Gewissheit, dass in diesem Land zwar vieles blüht, nicht aber so sehr der Rost an alten Autos. Also sind die beiden gewillt, Geld zu alten Autos zu machen. In Susa werden sie fündig, und schon hockt ein D-Modell auf dem Abschleppwagen, der SM allerdings muss die Fahrt nach Geislingen mit eigenen Mitteln bewältigen. Die ganz Schlauen ahnen schon, was kommt - wie das eben mit den ganz Schlauen immer so ist. DS sitzt am Steuer des C25, Claus Riemann, aus später noch darzulegenden Gründen CX genannt, steuert den SM. Man hat sich für den Heimweg eine Strecke gewählt, zu der auch der Tunnel von Fréjus gehört. Die Hälfte der elend langen Tunnelstrecke ist bewältigt, da schlägt das Schicksal zu. Es kann eigentlich, wie die Oberschlauen vermuten, nur der SM sein. Er ist es aber nicht. Dann vielleicht doch das D-Modell? Ist es vielleicht vom Abschleppwagen gefallen? Nein, es sitzt ganz friedlich da, wo man es hin verpackt hatte. Also kann es nur der C25 sein. Ja, kann das denn sein, das ist doch ein Abschleppwagen! Es war, den Oberschlauen sei's eindringlich gesagt, der C25. Mit einem geborstenen Getriebe wurde jeder Meter einer Weiterfahrt zur Illusion. CX, am Steuer des SM in einem gewissen Abstand vorausfahrend, hatte im Rückspiegel den dramatischen Geschwindigkeitsverlust der C25-Fuhre, der zum Stillstand führte, bemerkt. Jetzt geht es blitzschnell im Kopf von CX: Noch ewig viele Kilometer weiter aus dem Tunnel nach Frankreich rausfahren, dann irgendwo umdrehen, zurück in den Tunnel, gar durch den ganzen Tunnel zurück bis nach Italien, dann wieder irgendwo umdrehen und dann wieder Kilometer um Kilometer bis zum Ort der Havarie zurück, nur um direkt bei dem unpässlichen C25 zu stehen? Nein, kommt nicht in Frage, ich fahre jetzt in diesem Tunnel einfach rückwärts, und die, die sich mittlerweile um den C25 herumgeschlängelt haben, müssen halt aufpassen. Was danach kommt, lässt sich am besten umschreiben mit: Tumult im Tunnel. Es braucht schließlich seine Zeit, bis alle zuständigen Bergetrupps und Ordnungskräfte ihre Arbeit getan haben und der Fréjus-Tunnel in den Verkehrsnachrichten als ungehindert befahrbar ausgegeben werden kann. Vorläufiges Fazit: Viel Chaos und noch mehr Hilfsbereitschaft im Berg, ein auf der italienischen Seite an einer Werkstatt abgestellter C25 mit einem D-Modell auf dem Buckel, ein italienischer Mechaniker, der verspricht, zu einem von den Schwaben akzeptierten Preis das Getriebe innerhalb einer Woche zu reparieren.

Nun sind die beiden Schwaben aber noch längst nicht zu Hause. Das D-Modell ist nicht fahrbereit, es muss auf dem C25 bleiben, also müssen sich DS und CX dem SM anvertrauen. Sie tun es, was bleibt auch übrig. Die kritische Stelle im Tunnel wird ohne Probleme passiert. Später macht einer der porösen Versorgungsschläuche gewisse Schwierigkeiten, aber was soll's, man hat schon ganz andere Sachen erlebt. Um Mitternacht bei Besancon wird's dann allerdings etwas kritischer. Die Oberschlauen wittern Morgenluft? Mal sehen. Marode Ölleitungen lenken jedenfalls mehr Öl am Maserati-Motor vorbei als auch einem Schiffsdiesel guttun würde. Devise: erst einmal anhalten, Taschenlampe raus und Feldforschung betreiben. Es ist recht still um diese Zeit bei Besancon, doch auf die Zivilisation ist Verlass. Ein Geräusch nähert sich, ein Licht. Beides materialisiert sich schließlich und herauskommt ein Motorrad mit einem Pärchen drauf. Von dem leicht abgebremsten Bike lässt sich ein erstauntes „Voilà, un SM“ vernehmen, und das Bike verschwindet im burgundischen Dunkel. Was nun, mit allerletzten Ölpfützchen im System und einer bemerkenswert warmen Batterie, wie man mittlerweile festgestellt hat. Da, plötzlich wieder ein Geräusch, sehr ähnlich dem von vorhin. Wer reitet so spät durch Burgund dahin, es ist der Biker von vorhin, aber ohne sein hübsches Kind. Das hat er flugs verräumt, um sich nach einem sicher schönen Rendez-vous jetzt ganz den schwäbischen Havaristen zu widmen. Öl? Welches? Egal? Attendez! Der zum Ritter Mutierte verschwindet erneut im Dunkel - und kommt nach angemessener Zeit auch tatsächlich zurück. Mit Kanister, Dosen und Döschen. Es müsse wohl die Menge sein, die man hier am SM benötige, meint er. Über Viskosität oder sonstige Qualität könne er nichts sagen. DS und CX sind mittlerweile nüchtern genug und ziehen sich auf den Standpunkt zurück: Egal, Hauptsache es schmiert. Man trennt sich in burgundisch-schwäbischer Freundschaft, und der SM nimmt mit einem zuvor nie gekosteten Ölcocktail die letzten Hunderter unter die Räder. Im heraufziehenden, fahlen Morgenlicht kann man es mit Standlicht gut sein lassen. Erstens muss die Batterie, vom Regler im Stich gelassen, ja nicht unbedingt kochen, und zweitens führt man eine französische Tradition fort, nach der Fahrlicht nur bei stockdunkler, mondloser Nacht in kaum besiedeltem Gelände nötig ist. Es hat dann auch alles bis Geislingen geklappt. Im Grunde keine besonderen Vorkommnisse, wenn man bedenkt, dass bei einem Auto, das jahrelang steht, innere Korrosion, Verhärtungen und Brüchigkeiten unvermeidlich sind und sich bei plötzlicher Inbetriebnahme während einer 800-km-Tour durchaus bemerkbar machen können. Nein, ihr Oberschlauen, Motor und Hydraulik waren und blieben wohlauf. Jetzt steht der SM in Geislingen und wartet, fachmännisch revidiert, das sein neuer Besitzer ihn abholt. DS wird dem Guten dann erklären, dass der Verzicht auf hektische Gaswechsel bei diesem SM auf wundersame Weise lebensverlängernd wirkt, dass die Steuerketten alle 80.000 km erneuert werden sollten und dass man den Motor schön sorgfältig warm fahren muss. Nichts für Leute, die alles besser wissen, dann alles kaputt fahren und wieder zweifelhafte Mythen verbreiten. Also, ihr Oberschlauen, sucht euch was anderes! Ein alter /8 ist auch was Schönes. Und eh' wir's vergessen: Eine Woche später wurde der C25 in Italien abgeholt. Das Getriebe war ersetzt, und das D-Modell saß noch genauso hinten drauf wie eine Woche zuvor.

 

Zum Foto: Benno Weiß (links im Bild), lässt sich von Claus Riemann die neuesten Schnurren

rund um alte Citroens erzählen...   Foto: Ivo Riemann

 

Kommen wir zu Claus Riemann und zur Aufklärung des CX-Rätsels um ihn. Gastfreundschaft hat in Geislingen Tradition. Also nahm sich Claus Riemann der Gäste an und führte sie bei wunderschönem und zunehmend heiß werdendem Wetter in die Landschaft zwischen Dautmergen und Rosenfeld. Sein zwangloser Umgang sowie die interessanten Einblick, die er den Gästen in die Geschichte dieses Raumes insbesondere unter dem Aspekt der Erdölschiefervorkommen gab, inspirierten den Chronisten dazu, für Claus Riemann   ein besonderes Attribut zu finden. Er erlaubte sich eine Anleihe bei den alten Griechen, die für Menschen, die besonders gastfreundlich sind, das Eigenschaftswort xenodokos bereithalten. Da sich Claus Riemann in seinem Vornamen passender Weise mit C schreibt, war klar, dass dieser Citroenfreund von nun an unter Claus Xenodokos, abgekürzt CX, firmierte. Und als wir dann unter kluger Regie von CX in einer weit schwingenden Linkskurve aus unseren Autos ein wunderschönes C in die Landschaft legten, da konnte man dann sehen, dass neben 11 D-Modellen auch ein Peugeot 204 Cabrio, ein SM sowie ein GS den Korso bildeten, durchaus im Sinne der neuen Geislinger Programmatik: Schneider, das Autohaus für französische Autos . Vielleicht sollte man noch wissen, dass Dautmergen, ein Ort von 350 Einwohnern, die höchste D-Modell-Dichte in Deutschland aufweist. Sollte Stuttgart sich mit Dautmergen messen wollen, müsste es im Vergleich schon mit 7.000 D-Modellen aufwarten können. Kann es das? CX wohnt nämlich in Dautmergen und nennt drei D-Modelle sein Eigen.

So, und nun ist Schluss mit dem launigen Buchstabenspiel. Frau und Herr Teichmann müssen mit Ihrem Originalnamen genannt und wieder dafür gelobt werden, dass sie die Versorgung der Gäste wie gewohnt perfekt sicherstellten. Um halb eins saßen 80 Gäste an den Tischen, und niemand war unzufrieden. Die Küche verstand ihre Tätigkeit als Fronteinsatz, und junge, hilfreiche Geister huschten zwischen Küche und Tischen unermüdlich hin und her   -   und das bei gut 30 Grad.

Der Chronist seinerseits stiefelt währenddessen durch die Schneider-Klinik und besieht sich die ambulanten und stationären Patienten. Ein 64er DS-Cabriolet bietet sich den Blicken in gestripptem Zustand dar, 56.766 km auf dem Tacho. Na, das lohnt sich doch, also, ihr Vermögenden im Lande, hier könnt ihr euch etwas holen, was ihr noch nicht habt. Im absolut kompletten Vorzeigezustand zieht ein Cabrio aus NF das Interesse auf sich, das zum Routine - Check nach Geislingen gekommen ist. Der Chronist hat sich auch hier den Kilometerstand notiert, der aber hier nichts zur Sache tut. Viel bemerkenswerter ist, dass ein Gast den eifrig notierenden Chronisten bei seiner Tätigkeit offensichtlich genau beobachtet, bis er sich dann schließlich zu der Frage durchringt: „Sind Sie vom TÜV?“ Der Chronist verneint mit dem Hinweis darauf, dass gerade Sonntag sei. Natürlich versteht man den Mann, NF am Auto, das gibt's ja in ganz Baden-Württemberg nicht, da sollte ein Undercover-TÜV-Agent vielleicht mal genauer hinsehen - notfalls auch sonntags. NF bedeutet aber nichts Gefährliches, man kann im Ländle wieder ruhig schlafen, das Auto kommt halt aus Nordfriesland (hier: Sylt).

Schließlich lässt sich auch der Chronist zum wohlverdienten Mahle nieder. Er überdenkt einiges von dem, was er bis jetzt gesehen und gehört hat, so auch die Unterhaltung mit Christian aus VS. Christian ist der Besitzer des GS, 1015-ccm-Boxer, 48.000 km alt, Baujahr '71. Das Auto hat er vom Schneider. Er ist schon bei einem Treffen in Braunschweig gewesen, und die Fahrt hat das Auto ohne Probleme bewältigt. Wenn man dabei zuschaut, wie Christian das GS-Getriebe behandelt, wenn es beim Schalten vom 3. in den 4.Gang gelegentlich etwas hakt, wird klar: Der Mann hat das ultimative Gefühl für die Technik, die er bedient, weil er genau weiß, was sich so alles bewegt, wenn sein Auto fährt. Er mag auch die D-Modelle von Citroen, aber für ihn sei der Betrieb um diese Autos doch schon ein wenig abgehoben, er halte es eher mit den kleineren Formaten. Und tatsächlich, je kleiner die Autos sind, über die er spricht, desto mehr Worte findet er. Auf den SM angesprochen, der den Korso begleitete, reagierte er mit einer Mischung aus Grinsen und Lächeln. Der Chronist bedankt sich bei Christian an dieser Stelle noch einmal dafür, dass er mitfahren und später seinen gesamten Klumpatsch in seinem GS deponieren durfte.

Ja, in Geislingen waren die Zeichen eines sachten Wandels unübersehbar.

Sara und Uli z.B. (DS 21, Bj.67, LB): Sie sind mittlerweile zu dritt und dabei, Wohnraumangelegenheiten neu zu ordnen. Uli: „Wir müssen den DS wohl verkaufen.“ Sara: „Das hat keine Eile.“ Eben, wir sprachen ja von einem sachten Wandel.

Oder Ehepaar Christ aus Neu-Ulm. Man hat aus den Beständen ein Enten-Cabrio verkauft, nun ja. Aber gemach, der Mann hat die Ente seiner Frau völlig auseinandergenommen, um ihr, der Ente, die Faxen mit einer möglichen Alterung gründlich auszutreiben. Auch hier wird man unter leicht veränderten Bedingungen der Sache Citroen weiter dienen, denn irgendwann wird auch der perfekte DS Zeichen der Vergänglichkeit aufweisen. Der Meister aber wird's schon richten.

Oder unser aller Hans-Uwe. Er hat das Gleiten mehr und mehr von der Straße in die Luft verlegt und hat's jetzt heftig mit der Fliegerei. Seinen D-Besitz hat er begonnen abzuverkaufen, bis die Familie energisch einschritt: „Der rote 23er wird nicht verkauft. Mensch, das ist einer der Letzten, Einspritzung, Borg-Warner-Automatik, und dann der Zustand, bist du von Sinnen!“ Nein, Hans-Uwe war nicht von Sinnen, sondern tauchte mit seinem roten 23er in Geislingen auf. „Hier, kuck ma, alles original, da hat der Schneider nix dran gemacht.“ Und dann mit aller Liebe, die zwei Augen auszudrücken fähig sind: „Hier, kuck ma, dieser sauber verarbeitete Schaumstoffwulst an der Kofferraumklappe, hör' ma, wenn man die Klappe fallen lässt!“ In der Tat, es machte wunderschön Plopp. Und dann hat er seiner Tochter noch eine rote Ente gekauft. Wir sehen also, der Mann hat noch die nötige Bodenhaftung. Ein Referat aber gab's diesmal nicht. War wohl zu heiß.

Vielleicht war es auch die Hitze, die zwei D-Modelle sehr untypisch reagieren ließ. Kennen wir es von den gängigen Vierradvehikeln eher so, dass sie uns mit dem Vorführeffekt behelligen, ihre Malessen der Werkstatt gegenüber also partout nicht zugeben wollen, warteten diese beiden D-Modelle brav ab, bis sie mit ihren tapfer unterdrückten Zipperlein mal wieder beim Schneider waren, und ließen dann das Hydrauliköl aus den Wunden fließen. Das hatte etwas Rührendes an sich - zumindest für Außenstehende. Wer über die Natur des Menschen Näheres erfahren will, der beobachte, welche Regungen ein altes Auto bei seinen Besitzern auslöst, wenn es mal nicht so recht kann. Wer nicht gleich genervt ist, der hat das richtige Grundverhältnis zu seinem alten Auto. Ein altes Auto ist ein altes Auto, es ist kein Neuwagen im alten Gewande. Und wenn das alte Auto glänzend dasteht, ist es immer noch ein altes Auto. Da ist dann die Schraube, die seit 35 oder mehr Jahren an ihrer Stelle sitzt, an der nie gedreht wurde und von der man vielleicht gar nicht weiß, dass es sie gibt. Und dann kann sie auf einmal nicht mehr, dann kann sie auf einmal nicht mehr zusammenhalten, was zusammengehört, weil das Material, aus dem sie besteht, nach Jahrzehnten einfach mürbe geworden ist. Und dann ist da die vielleicht wunderbar restaurierte Umgebung, aber die Schraube kann ihren Beitrag zum Zusammenhalt des Ganzen eben nicht mehr leisten, dann passiert's halt, dass die ganze Geschichte wegen dieser einen Schraube schon mal etwas hängt. Vergänglichkeit zeigt sich bei einem alten Auto nun mal anders als bei einem 3-Jährigen. Wenn das 3-jährige Auto wegen Elektronikproblemen, Fertigungsmängeln oder Systemschwächen schon zehnmal in der Werkstatt war, darf der Besitzer genervt sein. Wenn das jahrzehnte alte Auto plötzlich nicht so kann, wie es eigentlich will, dann darf ich nicht genervt sein, dann muss ich's notfalls mit Humor nehmen. Ohne Humor geht das mit den alten Dingern nicht. Wie ist das denn mit alten Menschen? Gehen wir mit ihnen so um wie mit jungen? Allerdings, heutzutage scheint da etwas aus dem Lot geraten zu sein. Vielleicht spiegelt sich in unserem Umgang mit alten Autos ja nur einiges wider. Also, jeder prüfe sich selbst! Auch mit solchen Gedanken verließ man das diesjährige Treffen in Geislingen.  

Benno Weiß

Internationalles Citroen-Treffen in Interlaken/Schweiz am 14./15. August

Skandal:

Fortbildungsmaßnahme des Schneider-Teams als Betriebsausflug getarnt

Natürlich kann niemand, der sich täglich mit klassischen Citroens beschäftigt, die größte Zusammenrottung von Tractions, DS, SM, Enten, CX,GS, Mehari und Klassikern von B12 über C4 bis Rosalie an sich vorbei gehen lassen. So auch nicht das Schneider-Team. Unter dem Motto "Wir machen einen Betriebsausflug", gings zur Citroen-Fortbildung in die Schweiz. Sonntag früh um vier Uhr brausten Stefan Schneider, seine Mitarbeiter Karl-Eugen Eith und Claus Riemann sowie Hof-Fotograf Roland Ginter (Bettina Ginters Göttergatte) in der silbernen Chef-DS von Geislingen ins schweizerische Interlaken.

Auf einem Flugplatzgelände zwischen dem Thuner und Brienzer See gab es Citroens zu sehen soweit das Auge reicht. Dutzende von DS und Traction-Cabrios, Raritäten und Einzelstücke von Chapron und diverse Eigenbauten auf Entenbasis die so manchen gequälten Gesichtsausdruck bei den Originalitätsfanatikern hervorriefen. Bekannte Gesichter diverser Schneider-Kunden gabs zu sehen, einige Fahrzeuge kamen den Geislingern auch bekannt vor. So manches Schneider-Auto und auch Riemanns ehemaliges  61er DS Le Caddy Cabriolet und 34er Traction Coupe (wie kann mann so was wieder hergeben?) waren mit von der Partie.

Einige Händler hatten ihre Waren und Stände ausgepackt, allerdings gabs beim Schneider-Team ein selbst auferlegtes Kaufverbot, schließlich waren sie nicht mit dem Transporter unterwegs.

Beim nächsten Welttreffen in Rom muß allerdings mehr Zeit mitgebracht werden, das ist an einem Tag nicht zu machen. Nun heißts aber erst mal wieder ab in die Werkstatt, den Motivationsschub von Interlaken gilt es gleich in die Tat umzusetzen. 

Impressionen aus Interlaken, fotografiert von Roland Ginter (von dem stammen fast alle Bilder auf der Seite).

                                                                                                       

Schneider, Eith und Riemann freuen sich an einem schönen SM 

                                                                                                                                                                              

                                                    Der Chef-DS als standesgemäßer Dienstwagen

 

Stefan freut sich an den vielen Entchen

                                                    So macht jeder Spaziergang Spass

 

Der nächste Werkstattwagen

                                                    Die Krönung: Traction-Coupe von 1934

 

Was für ganz kranke DS-Fahrer

                                                    Ein Umbau vom Feinsten fordert Respekt an den Erbauer

 

 

7. Citroen-Treffen 2004 am 11.Juli  

Diesmal nicht ins Wasser gefallen

Und nun: das Wetter! Normalerweise fällt dieser Satz immer am Ende der Fernsehnachrichten.Da das Wetter aber bei unseren Treffen immer über das gute Gelingen entscheidet, steht es deshalb ganz vorn. In aller Kürze, ein ausführlicher Bericht, traditionell von Benno Weiß verfasst, steht weiter unten auf der Seite, können wir resümieren: Es war gut -das Wetter und somit auch das Treffen! Von den Temperaturen und dem Wind her könnte es auch an der Atlantikküste in Frankreich gewesen sein, der blaue Himmel ließ gar sommerliche Gefühle aufkommen. Am späten Nachmittag fielen ein paar kleine Tropfen, das kann aber Citroen-Fahrer nicht schocken, an kleine Tropfen sind wir ja schließlich  gewöhnt, wenn auch normalerweise nicht auf, sondern unter dem Auto. Schöne Citroens, von der 36er Rosalie über 38er Traction und 59er Rallye ID 19  im Originalzustand bis zum 83er CX-Pallas, und gut gelaunte Besucherinnen und Besucher sorgten durchweg für gute Laune und viele Gespräche unter Gleichgesinnten. Ohne großen Kommentar hier ein paar Impressionen vom 11.Juli.

                            

 

 

                

 

                                

 

                                                                                           

                                          

                              

 

7.DS-Treffen in Geislingen am 11.7.04

Über DS und DB, Musik, Auto und Mensch

                  

Zu einem DS-Treffen fährt man mit einem DS. Ging aber nicht. Warum nicht? Der DS befand sich schon längst in vorauseilender Sympathiebekundung beim Schneider in Geislingen. Der Fahrer kam sechs Wochen später. Statt Anreise zum 7.DS-Treffen in Geislingen im DS diesmal also Reiseerlebnis in der DB. Das hat heutzutage schon was Abenteuerliches, man möchte sich eigentlich lieber dem DS als der DB anvertrauen. Wer hätte das jemals gedacht!

Nun gut, es ging gut, und außerdem hat alles auch immer irgendwie sein Gutes.

Bahnhof Balingen. Schneider senior steht da wie die gestaltgewordene Verlässlichkeit und nimmt den Reisenden in Empfang. Es geht direktemang nach Lautlingen, wo sich die DS-Freunde am Schloss derer zu Stauffenberg eingefunden haben. Der DB-Reisende kommt etwas zu spät, spürt aber sofort, dass in Person von Frau Ursula Eppler ein unaufdringlicher, feinsinniger Humor dem Besucher das Stauffenberg-Anwesen in glücklicher Weise näher bringt. Dem familiengeschichtlichen Vorspann folgt die Einführung in die Musikhistorische Sammlung Jehle. Tafelklavier, Hakenharfe, Konsolpiano, Klappenhorn, Lyraflügel, Cembalo, all dies und noch viel mehr gibt es zu bewundern. Und je länger man zwischen den Zeugen menschlichen Einfallsreichtums herumwandelt, desto mehr werden die Zusammenhänge klar. Was machen wir denn mit unseren alten Autos? Wir bewahren ein Stück Geschichte auf, uns und anderen zur Freude, und das Schöne: Unsere historischen Zeugen haben Räder, und mit denen können wir sie an der Gegenwart teilnehmen lassen. Und mancher Gegenwartsfanatiker wird mitunter nachdenklich. Und wenn du dann einen 1876er Bechstein spielen darfst, weil's dir die Frau Eppler erlaubt, dann hören wir Gegenwärtigen im Ton der Musik, was uns unsere alten Autos bedeuten.

Wer's nicht gehört hat, der sollte noch mal nach Lautlingen fahren und sich Gedanken darüber machen, was denn wohl die vielen Saiten in Klavieren und auf Geigen mit den vielen Hydraulikleitungen in unseren alten Autos und übrigens auch mit dem menschlichen Nervensystem zu tun haben. Die alten Instrumente müssen gespielt werden, sonst sind sie irgendwann nur noch musealer Schein ohne inneres Leben, unsere alten Autos müssen gefahren werden, sonst gehen sie innerlich fest, und mit Menschen muss man reden, sonst erstarren sie innen drin. So ein altes Klavier muss regelmäßig gestimmt werden, ein altes Auto muss regelmäßig gewartet werden, und wir, wir sollten regelmäßig zum Doktor. Wenn wir nicht stimmen lassen, dann stimmt's eben nicht. Das betrifft alles, was wir sind und tun. Ist das so verwunderlich? Zu viel Tiefsinn? Dann fahrt Golf, aber nur Golf! Jedenfalls freut sich der Reisende erneut darüber, dass diese Geislinger Treffen so gar nichts mit der Enge eitler Dumpfbackenrunden zu tun haben, die in der Oldieszene getreulich ihren zweifelhaften Ruf nähren.

In Geislingen war das Treiben bei der Rückkehr der Ausfahrt denn auch wahrhaft bunt. Die Zahl derer, die hier auf geschickt genutzter Fläche technische oder auch einfach nur gesellige Kurzweil genießen, wird immer größer. Die Geislinger Leichtathletikabteilung tischte kräftig von dem auf, was man unter der Woche wieder würde abtrainieren müssen. Der Chronist erhielt denn auch noch ein Stück Bienenstich extra. Das war wie bei Muttern.

Und wer nicht nur nach den Erzeugnissen der Leichtathletikküche anstand, sondern eine ganze bestimmte Zierleiste suchte, dessen nahm sich Karl-Eugen Eith an. Der Mann hat die Ruhe weg, der weiß, wie Nervöse wieder auf Normalmaß zu bringen sind, und Begriffsstutzi-

ge haben bei ihm auch eine Chance - das durfte der Chronist schon im letzten Jahr erfahren.

Wissbegierige wusste auch heuer Gerhard van Ackeren zu bedienen, bis der Letzte der andächtig   Lauschenden wegen Überfüllung seiner Aufnahmespeicher kapitulieren musste. Jetzt wissen wir um manche Kuriosa aus der DS-Geschichte, Typen etwa, die es nie gab, sehr wohl aber homologiert waren, Auspuffgirlanden, die 1,50 Meter länger als das Fahrzeug waren, technisch chaotisch strukturierte ID-Zwitter, um den Unterschied zum DS einzuhalten. Und das auch noch: vor Baujahr '65 nach einem Ölfilter zu suchen, zwecklos. Gab's nicht.

Schließlich noch ein heißer Tip für heiße Tage im großen Citroen: Fahrerfenster halb runter,

Fenster im Fond dahinter viertel runter. Das ergibt zugfreie Klimatisierung. Klimaanlage überflüssig.

Und dann natürlich auch wieder eine dieser Geschichten.......

Da stand in der Gegend von Montpellier also ein ID am Straßenrand. Am nächsten Morgen stand er da immer noch. Und als man dachte, dass er nun eigentlich da nicht mehr stehen sollte, stand er da halt immer noch. Vor 10 Jahren war's, da war das Auto schon 31 Jahre alt.

Ein weltgewandter Holländer begriff, dass er wohl gemeint war, erkundigte sich nach der Zugehörigkeit des Einsamen und hatte es bald mit einem Franzosen zu tun, der, seinerseits mit einem europäischen Gehör versehen und das Holländische im Französisch des Holländers erfassend, flink eine Dame zu präsentieren wusste, die der Sprache des Holländers fließend mächtig war. Eine Holländerin, Frau des Franzosen. Na also.

Flugs wechselte das alte Auto in die Hände des neuen Besitzers. Der nun musste erst wieder nach Holland, um von dort mit einem Freund erneut anzureisen, mit dem zusammen es   das gute alte Stück endgültig zu schultern galt. Gewisse Bockigkeiten des recht gereiften ID konnte in Südfrankreich die nächstgelegene „konzessionierte“ Citroen-Werkstatt nicht beheben. Man erinnerte sich nun eines Zauberers im Elsaß, der denn die ID-Hydraulik tatsächlich so instandzusetzen wusste, dass auch dieser 63er ID wieder ein echter Citroen sein konnte. Damit stand einer neuerlichen holländisch-französischen Verbindung nichts mehr im Weg.

Die Sache hat aber auch eine deutsche Komponente. Der Vater des Holländers fuhr nämlich Borgward. Wer sich in den Fünfzigern und frühen Sechzigern für dieses Fabrikat entschied, tat das aus Überzeugung und Kennerschaft. Nicht, dass auch der Sohn immer nur exklusiv fuhr, nein, der fuhr auch brav seinen Käfer. Aber in den Jahren der gesellschaftlichen Etablierung stand eben unversehens dieser ID da, und da waren sie denn, die väterlichen Gene, und verlangten nach dem Erwerb des Besonderen.

Seit 10 Jahren besteht nun diese Verbindung. Der Besitzer hat dem Auto eine ehrliche Patina angedeihen lassen und hat keinen Grund über den kernig klingenden Langhub-ID zu klagen. „140, 150, damit hat er keine Probleme“, lässt der Besitzer verlauten. Allerdings hat er jetzt doch ein Problem, denn ein Kabelbrand hat das Auto ein wenig arg unter Feuer gesetzt. Eine mehrköpfige Feuerwehrcrew habe ein Ende in Asche und Geripperest zu verhindern gewusst.

46 Euro hätten dann auf der Rechnung gestanden. Es gibt sie also doch noch, die preiswerte Qualitätsarbeit in Deutschland.

Der Chirurg, welcher der Besitzer des ID ist, spricht eher gelassen über den Brandschaden, er hat einen nüchternen Sinn gegenüber dem noch Reparierbaren, überlässt die Behebung der Verletzungen aber gern dem Kollegen Schneider in der Geislinger Klinik. Dr.Bouwman, Besitzer der verbrannten Kabel, weiß, wem er vertrauen kann.

Ach ja, vielleicht noch eine persönliche Anmerkung: Das erste Auto des Chronisten war ein Borgward, eine Isabella TS, Baujahr 61. Heute fährt er neben seiner Familiendienstliesel einen DS 20, erscheint immer bei diesen Treffen in Geislingen und schreibt immer diese Artikel.  

Während Gerhard van Ackeren das Füllhorn seiner intimen Kenntnisse über Citroens D-Modelle auf seine Zuhörer ausgoss, fuhr für einen Moment ein blassblauer ID/Spécial/Super 5 durch den Augenwinkel des eifrig Notierenden. Da war doch was?

Und dann saß er wieder da wie das letzte Mal, vor drei Jahren, der schon verloren Geglaubte.

Willst du den Mann zu einem bühnenreifen Auftritt bewegen, dann stell deinen ID/DS vor ihn hin und öffne die Motorhaube. Mehr braucht's nicht. Der Mann legt umgehend seine Jacke ab, hat alsbald ein Messgerät in der Hand, und einem Schamanen gleich tigert er um das geöffnete Maschinenabteil, liegt bald von links, bald von rechts auf dem Motor, spricht ohne Unterlass simultan sowohl dem Laien als auch allein dem Spezialisten Verständliches und fördert dir Defekte und Defektchen ans Licht, von denen du nicht wusstest, dass es sie gibt, und repariert, was die Werkzeuge nur hergeben: Hans-Uwe Fischer, wie er leibt und lebt. Hast du in der Tombola den Hauptgewinn gezogen, wird er bald mit dir über das Donaueschinger Land fliegen. Und wenn du ihn nur nachdrücklich genug an seine versäumten Pflichten der letzten beiden Jahre gegenüber der Geislinger Citroen-Gemeinde erinnerst, dann fliegt er mit dir, der Absolution halber, auch. Zu frühabendlicher Stunde, als man die Ereignisse des Tages vertieft, kommt man, der eine bei einem Glas Rotwein, der andere bei Apfelsaft, zu der Übereinkunft, dass ein Leben nicht reicht, um alles zu wissen, was es zu wissen gibt.

Was wir aber wissen, ist z.B., dass nicht nur die Rohölreserven allmählich knapper werden, sondern auch diejenigen Quellen immer verhaltener sprudeln, aus denen die D-Modelle kommen. Das eine merken wir an der Tankstelle, das andere sehen wir überall dort, wo Preise für ein D-Modell ausgezeichnet werden. Und wenn's dann mal um ein Ersatzteil geht, nun ja, man wird den Eindruck nicht mehr los, dass ein   neues Zeitalter heraufzieht.

Haltet euch Den Schneider warm, dann wird's schon.

 

Auf jeden Fall bleibt uns in Erinnerung ein äußerst gelungenes, vom Wetter durchaus wohlwollend begleitetes Treffen in der siebten Auflage. Die Geislinger Gastgeber haben allen Dank der insgesamt weit über hundert Gäste verdient. Auch andere Youngtimer kommen vermehrt, weil sie spüren, dass in Geislingen gut sein ist. U.a.der grüne Ro 80 und der bronzefarbene /8 waren gern gesehene Gäste, die zusammen mit allen anderen einem veritablen Citroen-Oldie, einem 7UA von 1936, Rosalie genannt, die Ehre erwiesen.

 

Als wir übrigens von Lautlingen nach Geislingen fuhren und von der B27/Nord bei Balingen abbogen, stauten sich 15 D-Modelle in der Abbiegespange. Habt ihr gesehen, wie wir da alle ein wunderschönes C in die Landschaft gelegt haben?

Benno Weiß

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Ein Treffen wird zur Tradition - eine Chronik in Wort und Bild

Nicht mehr ganz aktuell, aber lesens- und sehenswert sind die Berichte der vergangenen Treffen bei den Schneiders, den guten Geistern der DS-Szene im schwäbischen Geislingen, aber allemal.

6.DS-Treffen am 27. 7.2003 in Geislingen

Das 6. DS-Treffen in Geislingen stand unter dem Eindruck einer Neuerung, In Erinnerung an das Wetter beim letzten   Treffen sowie im Wissen um den Klimawandel zeigte man sich in Geislingen flexibel und verlegte das jährliche Rendezvous von Anfang September auf Ende Juli. Man kann zwar nicht sagen, dass am 27. Juli 2003 nur die Sonne geschienen habe, man kann aber auch nicht sagen es habe nur geregnet. Es gab einen bunten Wettermix bei angenehmen Temperaturen. Mehr sollte man nicht erwarten, zumal seitens des Gastgebers alles dafür getan war, auch bei Regen gemütlich draußen sitzen zu können.

Ach wie schön ist Panama...aber Geislingen ist auch nicht ohne!!!

Der Chronist benötigt angesichts der Fülle von   Eindrücken in Geislingen Ordnungskriterien, um einen einigermaßen sinnvoll gegliederten Bericht hinzubekommen. Er hat sich wie folgt entschieden:

Phase 1: DS 20, Bj. 73

Phase 2: DS 23 Injection, Bj. 75

Phase 3: ID 19, Bj. 63

Phase 4: DS 21, Bj. 67

Phase 1: DS 20

Bevor es in Geislingen losgeht, stimmt man sich, von Unterammergau kommend, erst einmal 272 Kilometer lang auf früh sonntäglichen Straßen mit dem eigenen DS ein. Ein offenes Faltdach verleiht diesem Präludium seinen besonderen Reiz, und so ist die Hydraulik des Fahrers in besten Aggregatzustand, als er in Geislingen aussteigt.

Phase 2: DS 23 Injection

Ein DS 23 Injection schwebt nur wenige Minuten später aus Offenburg ein. Das besondere Grün des Autos lässt den Schluss zu, dass es mit dieser Farbe etwas Besonderes auf sich hat. Zunächst aber schließt der Chronist Bekanntschaft mit Frau von Burstin, die kaum 47 Jahre älter ist als ihr Auto und ausgesprochen rüstig auftritt. Man kommt ins Gespräch und erfährt, welches Schlüsselerlebnis das Augenarztehepaar in den frühen Sechzigern bewog, VW VW sein zu lassen und den Versuch mit Citroën zu wagen. Schmählich, aber wahr: Der Käfer saß im Schnee fest, und ein Citroën befreite ihn aus seiner misslichen Lage. So kann's gehen. Wer mit Heckantriebe und Heckmotor hinter der Hinterachse sich von Frontmotor hinter der Vorderachse aus dem Schnee ziehen lassen muss, darf sich nicht wundern, wenn das seine Abschiedsvorstellung war. Fürderhin fuhr man seitens des klarsichtigen Augenarztehepaars einen roten ID 19, von seinen Besitzern liebevoll „cerise“ (die Kirsche) genannt. Der Kirsche folgte Moby Dick, ein weißer ID 20, dem kein Kapitän Ahab irgendeiner anderen Marke etwas anhaben konnte. Moby Dick glitt über den Asphalt, bis die DS-Ära sich dem Ende zuneigte. Also suchten die von Burstins 1975 nach einem möglichst späten Exemplar und wurden bei einen BMW-Händler fündig! Dieser hatte sich das letzte vom Band gelaufene DS-Exemplar, einen DS 23 Injection, gesichert und ihm mit BMW-Taiga-Grün eine eigene Farbnote verpasst. Warum auch immer. Jedenfalls: Oberflächlich BMW, im Kern Citroën – das ist was für tiefenpsychologische Spekulationen. Offenbar ist am in Freiburg als BMW-Händler zu dicht an der französischen Grenze, als dass man tief drinnen nicht doch wüsste, wo und wie das eigentliche Autofahren stattfindet. Egal, die von Burstins konnten dem Händler das Auto „abschwätzen“, und nun ist es seit dem 12. Juli 1975 auf Frau Dorothea von Burstin zugelassen, das erste auf ihren Namen zugelassene Auto.

Die Klassiker stehen natürlich im Vordergrund

Zu Phase 2 gehört auch die Stadtrallye, die der Chronist gemeinsam mit Madame und grünem DS 23 („Froggy“) absolviert. Der Chronist darf fahren und erlebt die optimale DS-Synthese aus Kraft und Komfort.

Sascha Hotz aus Stefan Schneiders Gefolge hatte die blendende Idee, Textteile eine Goethe-Gedichts in und um Geislingen herum zu verteilen, die es zu finden und richtig zu kombinieren galt. Auch die veränderte Versabfolge war in die ursprüngliche Ordnung zu bringen. Der Chronist machte, wie es häufig so ist, die Erfahrung, dass es gerade die vermeintlichen Fachleute sind, die gern mal gründlich daneben liegen. Hier das Gedicht, wie es Goethe verfasst hat :

Auf dem See

Und frische Nahrung, neues Blut

Saug ich aus freier Welt;

Wie ist Natur so hold und gut,

Die mich am Busen hält!

Die Welle wieget unsern Kahn

Im Rudertakt hinauf,

Und Berge, wolkig himmelan,

Begegnen unserm Lauf.

Aug, mein Aug was sinkst du nieder?

Goldne Träume, kommt ihr wieder?

Wege, du Traum! So gold du bist;

Hier auch Lieb und Leben ist.

Auf der Welle blinken

Tausend schwebende Sterne:

Weiche Nebel trinken

Rings die türmende Ferne,

Morgenwind umflügelt

Die   beschattete Bucht,

Und im See bespiegelt

Sich die reifende Frucht.

Premiere. Oder hat schon einmal im Bericht über ein Clubtreffen ein Gedicht, gar ein Goethe-Gedicht gestanden? Es gibt Treffen, über die man gar nichts schreiben kann, weil nichts los war. Dann doch viel lieber Goethe! Und dann war auch noch was los!

Zum schönen Hobby gehört auch eine gute Mahlzeit

Zu Phase 2 gehörte nämlich auf Gerhard van Ackerens Auftritt. Wer es noch nicht wusste oder nicht glauben wollte, der erfuhr es hier: Die Citroën-Hydraulik ist genial, weil sie einfach ist. Man weiß auch aus anderen Zusammenhängen, dass das Geniale immer einfach ist, hier, in Geislingen, nachmittags zwischen halb drei und zehn vor vier in der Schneider-Klinik (draußen regnete es gerade in wenig) bekam man es eindringlich nachgewiesen. Dass man bei Citroën schon in der Frühphase des D-Modells drauf und dran war, sowohl das viel später zum Einsatz gekommene hydraktive Fahrwerk (keinen Kurvenneigung) zu bauen als auch mittels eines einen Kubikzentimeter großen Druckbehälters das Hochdrucksystem für den Betrieb des Scheibenwischers zu nutzen, erfuhr man ganz nebenbei. Endlich wurde klar, was ein Lenkrollradius Null ist, worin sich die grüne von der roten Hydraulikflüssigkeit unterscheidet, wie man das Hydrauliksystem entlüftet, was man zu tun hat, wenn bei einer Reifenpanne trotz voll ausgefahrener Stütze das Rad um zwei Zentimeter nicht frei schwebt. Wenn andere Dinge nicht zur Sprache kamen, dann nur deswegen, weil die entsprechenden Fragen nicht gestellt wurden.

Die Kulisse für Gerhard van Ackerens Referat bot sinnigerweise ein in der Schneider-Klinik wunderschön restauriertes D-Modell, das tiefe Einblicke in sein Inneres gewährte. Lieber Gerhard, für die Einblicke in die Hydraulik, und damit in das Basissegment eines D-Modells, sei herzlich bedankt. Andernorts bekommt man bei D-Treffen nicht einmal eine Tasse Kaffee.

Göttinnen im Dutzend – eine schöner wie die andere

Phase 3: ID 19

Seit längerem ist er beim Schneider anzutreffen, und jedes Mal, wenn der Chronist in Geislingen aufkreuzt, schleicht er um ihn herum, um einen ID 19 aus dem Jahre 1963. Was ist mit dem Auto, dass man drumherum schleicht? Die Frage ist falsch gestellt, man muss fragen: Was ist mit mir, dass ich um das Auto herumschleiche? Es hat mit dem Baujahr 1963 zu tun. Man kann ein altes Auto nach dem betrachten, was es lediglich als reines Objekt darstellt: allgemeiner Zustand, Originalität, produktionstechnische Details. ich kann es aber aber auch als Zeitzeugen sehen und damit als Bestandteil meiner eigenen Geschichte. Erste Fragen: Was war mit mir 1963? Der Chronist weiß es, und es ist interessant genug. Zweite Frage: Was war denn sonst noch? Einiges: Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages anlässliche eines Besuchs von Konrad Adenauer in Paris; das ZDF beginnt seinen Sendebetrieb; Papst Johannes XXIII stirbt, Kennedy besucht Deutschland bzw. West-Berlin; Ludwig Erhard wird Bundeskanzler, Grubenunglück in Lengede; Ermordung Kennedys; Altbundespräsident Heuss stirbt.

Auch automobilhistorisch tut sich einiges: Der Porsche 911 erscheint und begründet einen außerordentlichen Mythos. Der Alpine A110 erscheint und wird eines der erfolgreichsten Rallyefahrzeuge. Lamborghini startet mit dem 350 GTV einen ersten automobilen Versuch. DKW schickt mit dem hinreißenden F12 Roadster den eigentlichen Abschiedsgruß und Mercedes Benz traut sich mit dem 230 SL endlich mal was.

Von VW gibt's nichts zu berichten. Man ist einfach noch längst nicht so weit. Von Citroën gibt's auch nichts zu berichten, man ist mit der DS weiter als alle anderen.

In diesem Jahr 1963 nun wird dieser grüne ID 19 zum ersten Mal zugelassen – auf die französische Botschaft in Bonn (Adenauer bei de Gaulle in Paris!). Er ist in seiner schlichten Ausstattung ein typisches Behördenfahrzeug, stellt aber als einer vor nur noch ganz wenigen Exemplaren die K-Idee in ihrer reinsten Form dar. Der Chronist hat Gelegenheit, das Fahrzeug zu „testen“. Jawohl, es ist da, das samtig gedämpfte Schweben. Eine Servolenkung gibt's nicht, wozu auch, irgendwann muss der Beamte ja auch mal was leisten. Die Vierzylinder mit seinen 1,9 Litern Hubraum produziert seine 70 PS eher zufällig. es ist als Langhuber ein ausgesprochener Zieher. Seine nur drei Kurbelwellenlager sind 1963 bei Citroën Stand der Dinge, er klingt ein deutliches Stück robuster als seine Nachfahren, aber er klingt auch sehr vertrauenerweckend. Er hat nämlich nichts zu verbergen. Die Probefahrt findet bei strömendem Regen statt, und der Fahrer stellt fest: Sämtliches Wasser bleibt draußen. Er selbst bleibt besser drinnen.

Als der Fahrer das Auto beim Schneider wieder abstellt, kommen die Gedanken: Eine kleine D-Sammlung, das wär's. Den Kern gibt's schon, den völlig kommoden DS 20 Pallas HA. Was fehlt, ist ein ganz schneller Schaltwagen und ebenso ein spartanischer Archetyp wie dieser ID 19. Was noch fehlt, sind die entsprechenden Mittel.

Phase 4: DS 21

Der Chronist muss wieder nach Unterammergau. Sein Auto aber bleibt in Geislingen zwecks der Wartung. Wie also kommt er von G nach U (eben nicht von A nach B, das wäre zu gewöhnlich)? Der Chefarzt stellt ihm den eigenen DS 21 zur Verfügung, ein Fahrzeug in typengeschichtlich seltener Konfiguration. Im übrigen ist das Auto außen vergleichsweise unscheinbar, innen Citroën as it's best. Dieser DS 21 geht wie d'Sau und zeigt bei wasserüberströmten Straßen, was ein Lenkrollradius Null ist: Es gibt praktisch nichts, was einem bei diesen Autos das Lenkrad aus der Hand reißt. Auffällig: die ausgesprochen gelungene Übersetzung des 5-Gang-Getriebes sowie der kraftvolle Antritt des Motors. Als der Fahrer U erreicht, ist ihm sein DS-Horizont um ein Stück erweitert. Die Rückfahrt steht noch aus, aber Grund für einen herzlichen Dank aus Oberbayern gibt's jetzt schon allemal.

Und nun kommt, was sich nicht in Phasen aufteilen lässt, weil es in Geislinger Dauerpräsenz hatte. Das waren einmal diejenigen, die den Teilestand unverdrossen betreuten.

Rare Teile für seltene Citroens

Da waren einige junge Leute, die freundlich und fleißig die Versorgung der Gäste sicherstellten. Das war auch ein Sascha Hotz, der im Stil eines wohlerzogenen jungen Mannes die Gäste verabschiedete.

Und da stand einmal mehr der Name Teichmann dafür, dass die bis auf Wolfsburg und Braunschweig angereisten Gäste Wohlschmeckendes zur Stärkung bekamen. Und allen, die mir namentlich nicht bekannt sind aus den Reihen der Geislinger Leichtathletik (und auch aus anderen Reihen?) und im Hintergrund tatkräftig bei der Sache waren, sage ich: Ihr habt es wirklich gut gemacht. Vielen, vielen Dank!

Anschließend noch eine persönliche Bemerkung nach Offenburg:

Frau von Burstin, ich hätte Sie beim Abschied zu Ihrem Fahrzeug begleiten müssen., Ich hab's verschusselt. Wie das bei uns Bürgerlichen eben so ist: Die letzten Knigge-Feinheiten sind uns nicht richtig in Fleisch und Blut übergegangen. Sehen Sie es mit bitte nach: Beim nächsten Mal werd' ich's besser machen. Benno Weiß

 

DS-Treffen am Hofe Schneider zu Geislingen oder:
geheime französisch-deutsche Beziehungen
(1. September 2002)

Pressebericht zum Geislinger DS Treffen (1.September 2001)

Am 2.9.2001 fand wie jedes Jahr unser kleines, aber feines Citroën
DS- Treffen hier in Geislingen statt.

Wir trafen uns morgens um 10.00 Uhr beim Wasserschloss in Geislingen.

Gegen 10.30Uhr veranstalteten wir eine kleine Corsofahrt.

Danach wurden wir auf unserem Betriebsgelände von der Leicht-
athletikabteilung des TSV Geislingen in gewohnt guter Weise bewirtet.

Neben Kaffee und Kuchen, wurde ein kleiner Teilemarkt und ein
Referat über ein DS-spezifische Themen angeboten.

Ansonsten konnte man zwanglos zusammensitzen, neue Freunde
kennenlernen und alte Freunde wiedertreffen, die besonders ein
Thema verbindet: "die Göttin".